19
Apr 2016

Wilde Sorte

Da war sie wieder, die berühmte Frage, die ich schon so oft gehört habe: "Ach, der ist aber hübsch. Wie nennt sich denn die Sorte?" Wohl wissend, mich dennoch stur stellend, bezog ich die Frage auf den Apfel, an dem ich gerade kaute, und antwortete: "Braeburn".

"Ach, da gibt es auch Hunde, die so heißen? Ich dachte das wären Äpfel."

"Stimmt ja auch. Wenn Sie die Rasse meines Hundes meinen: Das ist ein Weimaraner."

"Der ist ja bildschööön. Wo kriegt man denn so einen?" Und dann an ihren Gatten gerichtet: "Nich, Klausi, der würde doch gut zu uns passen!"

Klausi nickt zustimmend. Nun gucken mich beide fragend an. Sie warten offenbar gespannt auf die Quellenangabe. Stattdessen lautet meine Antwort: "Vielleicht erzähle ich ihnen erstmal, was so ein Hund braucht, bevor ich ihnen sage, wo sie eventuell einen bekommen könnten."

"Ach, die brauchen wohl viel Bewegung, ja? Aber der ist ja auch schön schlank, nich, Klausi."

"Nun ja, drei bis vier Stunden täglich an der frischen Luft sollten sie ihm schon widmen können."

"Ach, aber wenn man mit ihm Fahrrad fährt, dann hat er doch bestimmt genug Bewegung."

"Bewegung sicherlich. Aber es handelt sich um einen Jagdhund. Der braucht Aufgaben. Er muss gefordert werden."

Bei Klausi und Mausi entgleisen langsam aber sicher die Gesichtszüge. "Ja, und wenn man das nicht macht, was passiert dann?"

"Dann kann es passieren, dass er sehr unangenehm wird. Dann ist sein hübsches Erscheinungsbild nur noch trügerische Fassade."

Schweigen.

"Es kann dann gut passieren, dass er sich selbst eine Aufgabe sucht. Und die ist dann nicht zwangsläufig zur Freude des Besitzers."

In Gespräche dieser Art werde ich nun schon seit vielen Jahren verwickelt und staune immer wieder, wie arglos viele Menschen mit der Anschaffung eines Hundes - einem Wesen, das durchaus eine Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren erreicht - umgehen. Mit der Anschaffung eines Autos geht jeder selbstverständlich viel sorgfältiger um. Nachdem das Augenmerk auf eine bestimmte Marke gerichtet wurde, setzt man sich sehr schnell mit Qualität, Anforderungen und Folgekosten auseinander. Und so ein blechverpackter Genosse, den man dann für die nächsten drei, vier Jahre seinen Stolz nennen will, wird auf Herz und Nieren geprüft, bevor der Kaufvertrag unterzeichnet wird.

Das Haustier wird jedoch meist unter vollkommen falscher Massgabe angeschafft. Nicht selten muss ein Hund als Prestigeobjekt und Vorzeige-Accessoir herhalten. Nach den Knuddelmonaten, in denen er/sie so niedlich mit anderen herumtollt, kommt dann das böse Erwachen, wenn plötzlich deutlich wird, dass Hund sich nicht so leicht lenken und einparken lässt, wie die Limousine. Wie im Falle unseres Weimaraners, landen sie dann auf der Website einer Vermittlungsstelle und müssen abgegeben werden. Andere Tiere freilich, landen im Tierheim oder werden komfortabel an der Autobahnraststätte zurück gelassen.

Darum kann ich nur immer wieder all diejenigen bitten, die sich für die Anschaffung eines Tieres interessieren: Lesen Sie doch bitte zunächst einmal in entsprechenden Medien nach, welches Tier für Sie geeignet ist. Fragen kann man getrost auch immer im Tierheim, beim Tierarzt oder schlicht bei Menschen, die schon ein Tier besitzen.

von Jens Tippenhauer

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Kommentar von Thorsten |

In der Tat ein Klassiker. Fast könnte man geneigt sein zu sagen, der Wahnsinn Hundeführerschein, den sich unsere sogenannten Volksvertreter nun hinter verschlossenen Türen (nachdem der Bello-Dialog ja solch ein großer Erfolg war ...) zusammenklüngeln, hätte doch seine Daseinsberechtigung. Die Gefahr des Hundes kann die Basis nicht sein, dass ist mehr als beeindruckend bewiesen - mehr als 99,5% der hier lebenden Hunde werden nie auffällig, eine Sippenhaft für alle Hundehalter lässt sich damit schwer begründen (was erfahrungsgemäß am Ende des Tages unsere Politiker nicht interessiert, Politik mit Menschenverstand ist ihnen schließlich fremd).

Nehmen wir also die berechtigte Kritik von Jens an Klausi und Mausi als Basis für eben dieses Regulierungsmonster den Hundeführerschein. Im Kern und auf den ersten Blick würde er uns hier sicher weiterhelfen - aber wieder stellt sich die Frage, wer wird hier wirklich bestraft ? Der Neuentwurf unser Klüngelkoalitionäre sieht nun eine Prüfung für jeden Hundebesitzer bei Neuanschaffung eines Hundes vor. Völlig unabhängig davon, wieviel Erfahrung der jeweilige Mensch in Bezug auf Hund nachweisen kann. Also ungefähr so, als ob sie bereits seit 30 Jahren Auto fahren, und fortan bei Neuanschaffung eines Autos erneut den Autoführerschein machen müssen. Muss man nicht wirklich verstehen, solche verqueren Gedanken, oder ?!

Sicher, auch hier gilt: In den Hundeauslaufgebieten unserer Stadt treffe ich ständig Menschen, die nach meinen Beobachtungen bereits in 3. Generation Hunde bei sich führen - und bis zum heutigen Tage nicht wissen, was da (zeitweise) neben ihnen läuft. Aber sie meinen es ja auch nur gut, auch der 3. Hund verfettet zusehends, Hunde- (und Mensch-) -verstand ist nie an Bord, dafür viele Leckerlies.

Wieder ein Argument für den Hundeführerschein, für wahnwitzige wie unnütze Sachkundeprüfungen ? Mitnichten, was wollen wir den noch alles überregulieren ?!

Der Hund stellt selbst keinerlei Gefahr für den Menschen dar, er selbst muss vor selbigen geschützt werden !

 Das erreicht man durch Bildung ! Bildung in den Schulen, das Verhalten, die Pflege, der Umgang mit Hunden muss in die Rahmenlehrpläne. Wir müssen bei unseren Kindern anfangen (die, die jeder ohne Kinderführerschein in die Welt setzen darf, oder liebe Politiker, ist der auch bald geplant ? würde vielleicht in der Tat Sinn machen !).

Also liebe Politiker - wie wäre es, wenn Ihr endlich mal das Hirn einschaltet, und, falls vorhanden, den Menschenverstand walten lasst ?! Vielleicht würden dann auch Eure Wähler wie Klausi und Mausi mal anfangen nachzudenken, so ganz ohne bürokratische Überregulierung ....